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Forschungsproblem u. -design

 

Das Forschungsproblem

Ermittlung von Bedeutung und Anwendung digitaler Filmeffekte in der gegenwärtigen deutschen Film- und Fernsehbranche.

Darstellung und Beschreibung des deutschen Marktes für visuelle Effekte, Ermittlung typischer Unternehmensmerkmale der Branche.

Das Forschungsdesign

Da es eine sich rasch entwickelnde und relativ junge Branche ist, liegen noch keine expliziten Forschungsergebnisse zur Thematik vor. Aus diesem Grund hätten non-reaktive Forschungsverfahren[1] allein, wie inhalts- oder sekundäranalytische Vorgehensweisen, keine adäquaten Ergebnisse geliefert.  Daher wurde eine statistische Erhebung durchgeführt, aber auch, um der im Forschungsproblem definierten Gegenwärtigkeit gerecht zu werden.

"Statistische Erhebung heißt die Sammlung der primären Informationen (Urdaten):

  • es werden Häufigkeiten statistischer Einheiten vorgegebener Definition

  • und/oder Ausprägungen der Untersuchungsmerkmale an diesen Einheiten erfaßt."[2]

 

Als Untersuchungsmethode kam die in der Kommunikations- und Medienwissenschaft häufig genutzte Befragung zum Einsatz.

„Die Befragung in der Sozialforschung ist eine vorwiegend verbale, relativ kurzfristige Interaktion zwischen einem bei der Interaktion anwesenden oder abwesenden Befrager und einem oder mehreren Befragten, die zum Zweck der Sammlung von Informationen durch den Interviewer eingeleitet und auf ein oder mehrere Themengebiete unter Ausschluß unwesentlicher Interaktionsbestandteile beschränkt wird.“[3]

 

Zunächst galt es zu klären, in welcher Form, in welchem Umfang, welche Personen oder Gruppen befragt werden sollen.

In der Regel begrenzt schon ein realistischer Blick auf Budget und Zeitrahmen die Vielfalt der Möglichkeiten. Die zeit- und kostenintensive, dafür repräsentativste Form der Datenerfassung, die Vollerhebung, konnte nicht durchgeführt werden. Dafür gab es verschiedene Gründe:

      Zunächst war die Grundgesamtheit der zweiten Zielgruppe, der VFX-Auftraggeber und Anwender, für eine Vollerhebung im Rahmen der vorliegenden Arbeit zu groß. Die gesamte deutsche Filmwirtschaft umfaßt rund 4000 Unternehmen (Stand 1994, aber die Zahl dürfte sich nicht radikal verändert haben, tendenziell eher noch höher liegen).[4] Abzüglich der Synchronhersteller, Atelierbetreiber und Technikdienstleister wären immer noch mehrere tausend potentielle Unternehmen übrig geblieben.

      Ein einschlägiges Branchenverzeichnis über die erste Zielgruppe, die Visual Effects produzierenden Unternehmen, existiert für den deutschen Markt noch nicht. Zwar gibt es Fachzeitschriften, wie die Digital Production mit ihren „Marketplace“-Seiten und entsprechende Internetverzeichnisse, doch können selbst alle zusammen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

      Weiterhin sind die Grenzen vom digitalen Postproduction-Haus und anderen benachbarten Dienstleistungssektoren zum Visual Effects-Dienstleister fließend. So finden sich beispielsweise zahlreiche Unternehmen, die primär Schnittdienstleistungen tätigen, im Angebotsportfolio, aber auch Visual Effects offerieren[6]. Im Grunde ist zwar jeder AVID-Effect auch ein Visual Effect, doch wirklich interessant für die Untersuchung waren nur solche Unternehmen, die auch auf weiteren Plattformen aufwendigere Compositings und digitale Effekte produzieren können, welche über die Standards moderner Schnittsoftware noch weit hinaus gehen.

      Aus den oben genannten Faktoren resultiert noch eine weitere Schwierigkeit, die eine Vollerhebung verhinderte. Es gibt noch keine Untersuchung, die die typischen Unternehmensmerkmale der VFX-Branche klassifiziert. Die Festlegung des Untersuchungsgegenstandes hätte somit keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erheben können. Es blieb nur den Weg einer Teilerhebung zu beschreiten, was allerdings kein Nachteil sein muß, aber in diesem speziellen Fall auch problematisch sein kann. Das Ziel einer Teilerhebung ist, daß die Angaben der ausgewählten Teilmasse Rückschlüsse auf die Gesamtmasse erlauben, die Teilmasse muß ergo die Struktur der Gesamtmasse repräsentieren.[7] Wie kann aber eine repräsentative Teilerhebung durchgeführt werden, wenn keine evaluierten Daten über Struktur und Merkmale der Grundgesamtheit vorliegen?

Im konkreten Fall der bestehenden Untersuchung wurde daher eine Teilerhebung[8] durchgeführt, bei der die Elemente der Grundgesamtheit nach festen Regeln, bewußt und subjektiven Kriterien ausgewählt wurden. Somit erfolgte eine Auswahl "typischer" Fälle[9]. Da die Grundgesamtheit  durch  eine  vergleichsweise kleine Branche[10] repräsentiert wird, könnte daneben auch das Konzentrationsprinzip angewendet werden, d.h. es werden die Einheiten bevorzugt in die Erhebung einbezogen, „auf die ein möglichst großer Anteil der gesamten Merkmalssumme konzentriert ist.“[11]

Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht den Weg des Auswahlverfahrens:

Übersicht über das Auswahlverfahren                      Quelle: Die hier dargestellte Abbildung dient der Veranschaulichung des speziellen Lösungsweges und entspricht nur auszugsweise der Übersicht aus Schnell, Hill, Esser (1999), S. 252


Die für den Untersuchungsgegenstand relevanten Ansprechpartner wurden auf folgenden Wegen ermittelt:

1.   Der Verfasser kannte bereits einige namentlich, so daß in diesen Fällen nur noch die Adresse ermittelt werden mußte.

2.   Aus Anzeigen und Reportagen in Fachzeitschriften wurden relevante Unternehmen herausgefiltert.

3.   Mit Schlagworten wurde das Internet durchsucht. Treffer gingen in die Untersuchung nur dann ein, wenn aus dem Internetauftritt eindeutig hervorging, daß das Unternehmen in Deutschland ansässig ist und Dienstleistungen rund um Visual Effects anbietet.

4.   Anhaltspunkte für relevante Unternehmen bot auch der EDIT 99-Navigator, der Begleitordner zum 2. internationalen Fachkongreß für Film- und Postproduktion, Computeranimation und Special Effects in Frankfurt/M. sowie der Branchenindex von mecon, der Kölner Konferenz für digitale Medienproduktion.

5.   Als nützliche Hinweise dienten auch die Kundenreferenzlisten auf den Internetseiten der Hersteller von VFX-„Standardsoftware“.

6.   Als Quelle für VFX-Anwender/Auftraggeber, wie Film- und Fernseh-produktionsunternehmen, diente vor allem Cinemarket Online. Cinemarket Online ist ein Infopool für alle jüngeren Film und Fernsehproduktionen. Produktionsfakten von Dokumentarfilmen über Fernsehserien bis hin zu Kinoproduktionen werden bei dieser Internetressource gelistet. Weitere Unternehmen wurden per Stichwortsuche ebenfalls im Internet ermittelt. Dazu kommen noch deutsche TV-Veranstalter sowie als Sachvertraute die Filmförderungsinstitutionen.

 

Insgesamt kann davon ausgegangen werden, daß der gesammelte Adressbestand von Visual Effects-Unternehmen, aufgrund der Fülle miteinander abgeglichener Quellen, nahe an die tatsächliche Gesamtmasse heranreichen dürfte. Bei der zweiten Untersuchungsgruppe kann ebenfalls von einer repräsentativen Teilmenge ausgegangen werden, da mit den aus Cinemarket ermittelten Daten praktisch ein Momentaufnahme der deutschen Film- und TV-Produktions-landschaft vorliegt.


 


Literatur

 

[1] Vgl. Friedrichs (1985) 309ff.

[2] Neubauer (1994), S. 17

[3] Schrader (1973), S. 96

[4] Vgl. Presse in Informationsamt der Bundesregierung (1994), S. 198f.

[6] Diese Effekte basieren dann i.d.R. auf Möglichkeiten des Schnittsystems.

[7] Vgl. Neubauer (1994), S. 25

[8] Synonym könnten in diesem Fall auch Stichprobe oder Auswahl verwendet werden. (Vgl. Schnell, Hill, Esser (1999), S. 249)

[9] Vgl. Schnell, Hill, Esser (1999), S. 252

[10] Dies wird hypothetisch angenommen, denn der Markt für digitale Visual Effects ist nicht grenzenlos groß, zumal solche Unternehmen untersucht werden sollten, die Visual Effects für Kino- und TV-Produktionen erstellen, was das Arbeitsfeld weiter einschränkt.

[11] Neubauer (1994), S. 26

 

 

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Weitere Abschnitte zu diesem Bereich: 

Einleitung

Die Erhebungstechnik

Der Fragebogen

Die Realisierung

 

 

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